Die erste Woche Workcamp – Bericht
Juni 8th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
http://www.workcampkpalime2011.blogspot.com/
Der erste Teil unseres Workcamps (31.05. – 06.06.2011) fand im kleinen Bergdorf Agou-Kebo-Toé statt. Wir zwölf weltwaert-Freiwilligen wurden mit einer etwas größeren Gruppe nationaler Freiwilliger kombiniert und stellten zusammen eine ca. 25-köpfige Truppe. Wir sollten nun in den folgenden Wochen zusammen gleich drei verschiedene Projekte verwirklichen und dabei zusammen in einem Haus auskommen. Motivation hatte am Anfang jeder Freiwilliger und besonderen Ehrgeiz wollte ich persönlich gerade dem ersten Projekt zukommen lassen. 1,5 Hektar waren vor uns um wieder aufgeforstet zu werden, allerdings war die gesamte Fläche voller Busch, der im Vorhinein entfernt werden musste. Anfangs verlief die Arbeit nicht ohne Kratzer. Mit Buschmessern, Coup-Coups, ausgerüstet erklärten wir dem teilweise über zwei Meter hohen Busch den unausgeglichenen Krieg und legten mit den Schülern los es zu entfernen. Nach einiger Zeit wurden aber einige von uns durch Insektenbisse Pflanzenstiche und Blasen auf Fingern und Handfläche aus dem Rennen geworfen und die Anstrengung einen ganzen Hang bis nach oben hin abzumähen wurde zu einer Probe der persönlichen Standfestigkeit.
Am Ende des ersten Tages hatten wir schließlich die Hälfte der Fläche von Gestrüpp befreit, waren aber so durchstochen, dass unsere Arbeitsmoral etwas angeschlagen war und unsere Laune und Kraft flöten gegeangen waren, jedoch anscheinend nicht bei unseren togoischen Freunden, welche direkt nach der Rückkehr ihr Dzembés und Tam-Tams zückten, und zu trommeln anfingen, als hätten sie nur noch mehr Energie aus der Anstrengung gemolken. Es war das erste Mal, als wir nicht wirklich zusammen eine Sache durchziehen konnten: Die Yovos (Weißen) wollten allesamt den Abend ruhig verbringen oder schlafen, die Ameybos (Schwarzen) hatten da aber andere Vorstellungen und demonstrierten ihre Gewohnheit mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit. So verging der Abend in einer seltsamen Isolierung der Europäer vor dem „Lärm“ der Afrikaner. Man fühlte sich als Europäer aber nicht wirklich dazu verpflichtet, beim Getrommle und Singen nur aus dem Grund heraus mitzumachen, um etwas Zeit zusammen zu verbringen. Am Abend , nach dem Essen, drückten einige Afrikaner dann ihr Bedauern darüber aus, dass die wir <<Weißen>> nichts mit den <<Schwarzen>> machen wollen würden, was seltsame Schweigsamkeit in unserer Runde erzeugte. Dieses Bild sollte sich in den darauf folgenden Tagen aber noch wiederholen und es wurde immer deutlicher, dass unsere Gewohnheiten verschieden sind und dass wir als Gruppe in zwei Teile zerbrachen und anfingen, unsere eigenen Sprachen mehr zu sprechen als es sich in Anwesenheit der Einheimischen geziemen würde. Das Gruppengefühl lag etwas brach da und niemand hatten für lange Zeit die Energie, diese wiederherstellen, bzw. zum ersten mal wirklich instituieren zu wollen
Bei der Arbeit jedoch arbeiteten wir sehr effektiv, weil man sich nichts daraus machte, wer mit wem arbeiten will. Es wurde angepackt und somit haben wir in der ersten Schicht des zweiten Tages die gesamte restliche Fläche geklärt und abends damit angefangen Körbe aus Palmölästen gegen die Ziegen und Schafe herzustellen, um damit unsere Pflänzchen zu schützen. Diese Arbeit erwies sich allerdings als langwierig und monoton, weswegen wir nicht besonders vorankamen – Die Schüler war hierbei von unauslassbarem Wert, weil wir ohne sie niemals über einhundertsechzig Körbe hätte flechten können.
Am folgenden dritten Tag wurde dann eine große Korbflechtaktion initiiert und alle Schüler mussten mitarbeiten. Einige von uns fingen bereit damit an, zu untersuchen und auszumessen, wo wir Bäume hätten pflanzen können. Exakt 3m mussten es zwischen den Kakao- oder den Mahagonibäumen geben. Am Nachmittag arbeiteten wir dann alleine ohne Schüler an den Körben und hatten dann immerhin schon insgesamt sechzig fertiggestellt. Hundert fehlten folglich noch, weswegen dann am vierten Tag noch einmal alle Schüler zusammengetrommelt wurden, und in Vierer-Gruppen eingeteilt wurden, um effektiver arbeiten zu können. Es gelang ihnen dann auch wirklich alle Körbe fertig zu bekommen, während wir die restlichen Stellen für die Pflanzung bestimmten und gleichzeitig Löcher an den Stellen gruben, um dann am Freitag mit dem Pflanzen abschließen zu können. Es waren echte Strapazen adäquate Löcher in einen mit vielen großen Steinen und Flesen durchsetzten Bergboden zu graben, aber wir wollten es einfach schaffen und bissen die Zähne für das gelingen zusammen.
Die Belohnung für die Anstrengungen der vorhergehenden Tage konnten wir schließlich am Freitag einheimsen, da sich das Einpflanzen als eine kinderleichte Aufgabe herausstellte, die wir sogar vor der Mittagspause bewältigt haben. Fast eintausend Mahagoni-, Kakao- und Tiekbäume wurden von uns in diesen Tagen gepflanzt – Eine Leistung, auf die wir sehr stolz sein können.
Am letzten Abend wurde dann auch noch auf den Erfolg angestoßen und gefeiert, bevor wir dann nach Kpalimé gekommen sind.
Helfende Hände werden gesucht!
Mai 24th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Liebe Freunde/Bekannte/Verwandte,
Wir, die weltwaerts-Freiwilligen 2011 in Togo, haben bis
Mitte Mai in Schulprojekten gearbeitet. Nun neigt sich das Schuljahr dem Ende zu und wir möchten,wie jede Freiwilligengeneration vor uns auch, ein gemeinnütziges Workcamp ins initiieren, um einenbleibenden Eindruck von uns zu hinterlassen. Die Frewilligengeneration vor uns beispielsweise hates fertiggebracht, den Bau einer Bibliothek zu ermöglichen, die nun gleichzeitig als Spielplatz,öffentlicher Treffpunkt und Sitz unsererPartner-NGO in Togo (ASTOVOT) dient.Unser Workcamp wird es sein, in der ersten Woche einen Bereich iim Dorf Agou-Kebotoé auf dem
größten Berg Togos, dem Mont Agou, wieder aufzuforsten, um Erosion vorzubeugen und damit diedarunterliegende Schule zu schützen. Des Weiteren möchten wir in der zweiten und dritten WocheKindern des Stadtviertels in Kpalimé ermöglichen an einer kostenlosen Ferienfreizeit mit Verpflegungteilzunehmen, die wir selbst animieren werde und an deren Ende eine Präsentation des Erarbeitetenstehen wird. Als drittes Unterprojekt werden wir eine Straße in Kpalimé erneuern, die zu derbesagten Bibliothek führt. Dieses Projekt wird ebenfalls von der zweiten zur dritten Woche stattfinden.In diesem Sinne hoffen wir sehr auf Unterstützung durch Spenden in jeglicher Höhe. Sollte ein
Überschuss an Spenden übrig bleiben, werden wir diesen darin investieren, den großen Mangel anSchulmaterial, v.a. Schulbüchern, in unseren Schulen aufzubessern.
Schaut euch doch mal unsere Seite zum Projekt an: http://www.workcampkpalime2011.blogspot.com und macht euchein genaueres Bild von unserem Vorhaben. Wir wären euch sehr verbunden, wenn ihr einen Beitrag leistenkönntet und hoffen, dass es euch unsere Idee angetan hat. Des Weiteren wäre es sehr hilfreich, wenn ich den Link zu unserem Projekt weiter weiter-posten könntet, sodass mehr Personen davon zu hören bekommen.
Vielen Dank für das Interesse und bis Bald auf dem Blog!
[Wenn ihr spenden möchtet, wendet euch an mich, indem ihr mir eine E-mail schreibt: a.szafaro@gmx.de ; DANKE!]
Besteigung des Mont Agou
Mai 24th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Diese Diashow benötigt JavaScript.
GHANA-Reise Tagebuch
Mai 24th, 2011 § 1 Kommentar
Tag 1 (21.04.2011)
Meine erste Reise ins „Ausland“ führte mich und frei andere Freiwillige nach Ghana. Am 21.04. überquerten wir die Grenze auf Höhe Kpalimés. Im denkbar unbequemsten und voll gestopftesten Auto ging es von Kpalimé los. Nachedem wir die Stadt verlassen hatten, fuhren wir auf immer kleineren, rüderen Straßen Richtung Grenze. Wir kamen schließlich zum togoischen Zoll und wurden von Beamten kontrolliert und weitergelassen. Es ging weiter. Holprige Schotterstraßen, deren Pfützen vom letzten Regen mit Wasser und Schlamm gefüllt waren machten uns das Vorankommen nicht leicht. So fuhren wir eine halbe Stunden in einem Gebiet, das irgendwo auf der Grenze der beiden Länder liegt.
Auf einmal erblickten wir im Hintergrund eine massive, stählerne und solide Brücke, hinter der sich der ghanaische Zoll befand. Ein sicherlich fünfmal so großes Gebäude, wie das togoische. Wir steigen aus und begaben uns als einzige zur Rezeption. Trocken und nüchtern wurden unsere passeports kontrolliert, Fragen zu unserem Aufenthalt gestellt – der Ton, ein anderer als in Togo, unangene, fast eingebildet und übermütig hörten sich die Fragen an. Wir wurden weitergeschickt. Und weiter ging es. Wir waren drin! Ghana, das „gelobte Land“ – modern, vielfältig, anders? Dies sollte auf die Probe gestellt werden.
Wir fuhren also durch die ersten ghanaischen Dörfer. Schönere Häuser, meist bunt angemalt (jedoch war fast jedes gestrichene Haus Vodafone-rot oder MTN-gelb – zwei Mobilfunkkonzerne, die den Besitzern Geld gaben, um ihre Häuser in ihren Farben und Logo anzustreichen), bessere Straßen, aber sonst – Westafrika hatten wir noch nicht verlassen, ein sehr ähnliches Bild wie in Togo bot sich uns. Nach einer halben Stunde Fahrt auf ghanaischem Boden fing es an, nach einer halben Ewigkeit ohne Niederschlag, leicht zu regnen. Wir mussten folglich anhalten, um unser Gepäck mit einer Plane abzudecken. Weiter ging’s – jedoch machte nach fünf Minuten unser Motor lahm und wir saßen in der Pampa fest. Es im engen, stickigen Auto nicht mehr aushaltend, stiegen wir aus, um uns bei einer Familie unterzustellen, zu warteten. Bis der Motor wieder lief verging eine Stunde. Der Regen und Wind hatten zugenommen und nach nur zwanzig Minuten Fahrt kamen wir dann auch schließlich in HO an. Dort zeigten sich zum ersten Mal merkbare Unterschiede zwischen Togo und Ghana. Wo in togoischen Städten Motorräder die Straßen beherrschen, sind in Ghana so gut wie nur Autos unterwegs, die das Vorankommen sehr erschweren. Bis wir uns endlich zur Minibusstation (Tro-Tro-Station) durchgekämpft hatten, dauerte es eine Weile.
Als wir ausstiegen wurden wir durch einen immer kräftigeren Regenschauer durchnässt und suchten uns einen Unterstand, um unser Gepäck vor unmittelbarer Durchnässung zu bewahren. Wir warteten bei einem Geschäft, das Toiletten verkauft und fingen aus Langeweile an, deutsche Lieder zu singen, bis zum Zeitpunkt, an dem wir es nicht mehr aushielten, und auf gut Glück losgingen, um einen funktionierenden Bankautomaten und ein billiges Hotel zu finden. Nach vergeblicher Suche, beschlossen wir, zunächst einmal unser Gepäck im Hotel zu verstauen, und uns dann auf die Suche zu machen.
Nachdem wir alles besorgt hatten, suchten wir eine gute Stärkung auf ghanaischen Straßen. Das Angebot ist anders als in Togo – die Ghanaer essen mehr gegrilltes Plante (Kochbananen) und Maiskolben, Fisch und Reis aber weniger Manyok oder Yams. Nachdem wir uns einen Fisch mit Reis geteilt hatten, gingen wir einen trinken und begaben uns schließlich ins Hotel.
Wir hatten unser Hauptzeil für diesen Tag bereits verfehlt – anstatt zum südlichen Punkt des Voltasees zu kommen, waren wir gerade erst in Ho. Dies wollten wir am nächsten Tag aufholen.
Tag 2 (22.04.2011)
Morgens ging es früh wieder los! Wir packten unsere Sachen und begaben uns gegen halb sieben schon zur Tro-Tro-Station. Wir fuhren also zum südlichen Punkt des Voltasees, um dort die Fähre zu nehmen, die uns in den Norden des Sees bringen würde. Unsere ganzen Hoffnungen wurden dort allerdings enttäuscht und wir mussten nun schnell eine Alternativlösung finden, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Wir beschlossen unseren Plan über Bord zu werfen, und suchten uns ein Tro-Tro nach ACCRA. Nach nur knapp zwei Stunden Fahrt erreichten wir gegen Mittag die Hauptstadt, die Modernität in einem Maße vereint, wie es kaum eine andere Stadt der <> innehat.
Teure Autos rollen auf breiten und gut in Stand gehaltenen Straßen mit großen aber wenig riesigen Gebäuden, die diese säumen, und Menschen, die in sehr westlicher Montur gekleidet sind, gehen die Bürgersteige auf und ab. Europa, nur mit Schwarzen – Irgendwie kann man es so bezeichnen. Irgendwie verwirrend, aber auch beeindruckend.
Jedoch hat die Stadt als Ganzes auf den zweiten Blick wenig zu bieten und scheint nicht gerade spektakulär zu sein. Modernität hat ihr noch keinen besonderen Charme verliehen.
Nachdem wir im <> eingecheckt hatten, machten wir uns unmittelbar auf den Weg die Stadt zu erkunden. Vom Hunger nach fester Nahrung getrieben, fanden wir uns sehr schnell im reichen, kommerziellen Viertel <> wieder und spazierten an diesem Karfreitag auf der Hauptstraße, auf der Banken, Bekleidungsläden, Cafés, Restaurants, Autohäuser, Mobilfunkanbieter und alle anderen exorbitant teuren Geschäfte ihre Basis aufgeschlagen hatten, die Hälfte derer allerdings geschlossen war. Wir schlürften zuerst einen <> in einem sehr schicken und mit elegant gebogenen Stühlen mit cremefarbenen Kissen vor massiven Holztischen mit Glastischplatten eingerichteten, mit einer einwandfreien Klimatisation ausgestatteten, Laden, der uns für die Minuten, die wir dort verbrachten, aus dem heißen, leidenden und armen Afrika in dem wir aufgrund der „dunkelhäutigen“ Bedienung offensichtlich immer noch waren, in eine zuletzt in Europa gesehene Welt. Nach all dieser Zeit war dies eine seltsame sensation.
Daraufhin suchten wir uns ein Restaurant, wo wir Pizza und Salat aßen – seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen – und machten uns in einer tendenziellen Dämmerung auf gen Süden. Je mehr wir und von <> entfernten, desto kleiner, heruntergekommener und unangenehmer wurden die folgenden Viertel und wir erblickten einen vermüllten, grauen und wie vom Meer stetig zerfressenen Strand mit Kindern und Erwachsenen Männer, die auf ihm, teils auf dem Sand, teils auf dem Wasser, den Ball zum Rollen brachten. Im Hintergrund sahen wir ein Schloss, dessen Klippe, auf der es thronte, von den Wellen des Golfes gepeitscht wurde und das angeblich der Regierung gehört, weshalb man es nicht fotografieren darf, was ich aber erst zu spät bemerkte. Nachdem wir uns obligatorisch dem Schloss genähert haben, um bloß in dessen Nähe zu sein, und nachdem wir einige bunte Fischerboote am Strand angeschaut hatten, machten wir uns auf dem Weg zu einer schönen Strandbar mit Liveband am östlichen Stadtrand. Bei Sonnenuntergang fanden wir uns an einem lauten Felsstrand wieder, wo wir an Plastiktischen ghanaische Limonade und Bier tranken. Nach drei Partien Billard ging es dann auch wieder zurück, denn wir wollten ja am nächsten Morgen schon weiter gen Norden.
Tag 3, (23.04.2011)
Wenn der Wecker morgens sogar vor der gewohnten Zeit klingelt, ist man den Rest des Tages sonst mies drauf. Wenn man aber weiß, dass man für die nächsten fünf oder mehr Stunden in einem Auto oder einem Van gequetscht sein wird, der aufgrund der Schlaglöcher und Geschwindigkeitsbremsen auf und ab wippt und gezwungen ist langsam zu fahren, dann weiß man dass man auf die Zähne beißen muss, um diese Tortur zu überstehen. Wir machten uns folglich mit unserem hoffnungslos schweren Gepäck auf die Suche nach einem Tro-Tro, das uns nach KUMASI fahren würde. Quälende Minuten verbrachten wir damit uns abzumühen, die Station zu finden, weil uns die Menschen zu falschen, überteuerten Busstationen schickten, obwohl wir lediglich wie Afrikaner reisen wollten, was wir ja aus Togo schon gewohnt waren.
Wir fanden also schließlich ein Tro-Tro, stiegen ein und mussten leider warten, weil noch nicht genügend Passagiere da waren. Für 12 Cedi pro Person (~6€). Wir vertrieben uns also die Zeit damit, zu frühstücken. Schnell machten wir einen Stand aus, der Rührei im Brot verkaufte und kauften dazu noch ein Paar Wasserbeutel zum verdauen und für die Fahrt. Bald ging es dann auch endlich im sehr engen und kaum Beinfreiheit bietenden Gefährt aus der Stadt heraus, hinauf auf die Autobahn, welche es in Togo nicht gibt, die aber auch in Ghana noch nicht wirklich vollendet ist, sondern in immensen Bauarbeiten steckt. Nachdem wir in Stadtkern für eine gefühlte halbe Ewigkeit im Stau gestanden hatten, fuhren wir hinaus auf die schnellen Bahnen Ghanas – als Geisterfahrer. Unser Fahrer fuhr buchstäblich erst auf die falsch Spur und wir hatten ein immenses Glück, dass es in Stadtnähe Ampeln auf den Autobahnen gab, sonst wäre vielleicht ein entgegen fahrendes Auto als Abschiedsgruß in uns gerammt. So aber fanden wir schnell die richtige Spur wieder und fuhren nicht sehr lange schnell, weil die asphaltierte Autobahn bald aufhörte und sich uns für den meisten Teil unserer Fahrt Schotterpisten boten, die den Sand so aufwirbelten, dass selbst gewohnte Afrikaner nicht lange hinter aufwirbelnden Autos bleiben wollten, und teilweise gefährliche und knappe Überholmanöver versuchten, wir waren also, wie eigentlich auf jeder Fahrt, den Launen und der Einschätzung einer Person ausgeliefert.
Je mehr wir uns der Hauptstadt des Zentrums näherten, desto besser wurden die Straßen und wir konnten es kaum erwarten, die Stadt mit dem größten Markt Westafrikas zu bestaunen, die einst Hauptstadt des Reiches der Aschanti gewesen war, und deren König immer noch in seinem Palast haust, ohne allerdings viel politisch mitmischen zu dürfen.
Wir fuhren schließlich in die Millionenstadt hinein und wurden auf einer stark befahrenen Straße, irgendwo auf dem Markt abgesetzt – wir sollten sehr bald bemerken, dass der ganze Markt wie ein großes Monster sich immer weiter aus dem Zentrum nach außen ausbreitete und damit die Stadt in einen großen Markt verwandelte, der tagsüber kaum einer Straße Ruhe gab. Wie viele Menschen von diesem lebten, war nur schwer abzuschätzen – es müssen tausende sein, die ihr täglich Brot in den vollen, mit Dieben durchtränkten Gassen dieses riesigen Monsters verdienen.
Auf der Stelle machten wir uns auf dem Weg ein Hotel zu finden, fanden in aller Erschöpfung zuerst auf ein etwas teureres, welches wir zu nehmen entschieden, weil wir zu müde waren, das Gepäck weiterzuschleppen.
Wir duschten und kehrten ins Zentrum zurück, wo wir mit großer Vorsicht auf den Markt gingen, darum wissend, dass die Diebe sehr raffiniert vorgehen und es besonders bei vielen Menschen gefährlich war. Elektronik, Kleidung, Stoffe, Lebensmittel aller Art boten sich vor unseren Augen. Eine beeindruckende und erstaunliche Vielfalt und ein noch nie zuvor erblicktes Angebot billiger aber guter Waren waren eng nebeneinander versammelt. Wir bummelten umher, schauten uns regionale Stoffe, Kleidung an, aßen rote Orangen und gegrillte Kochbananen und überbrückten so das Mittagessen. Wir teilten uns auf: Zwei gingen auf die Suche nach den regionalen, exorbitant teuren Stoffen und Sabrina und ich bummelten einfach so weiter bis wir uns abends wieder alle in einem sehr westlich eingerichteten, von einer, nach meiner Einschätzung, pakistanisch-stämmigen Frau geleiteten, mit britischem Fernsehen ausgestatteten Restaurant, in dem wir Burger, Kaffee und Milch-shakes zu uns nahmen. Den Abend ließen wir mit einem Besuch im Internetcafé ausklingen, wo jeder ein Paar Minuten für sich sein konnte, und die Möglichkeit hatte, Freunde und Familie zu kontaktieren.
Tag 4 (24.04.2011)
Am zweiten Tag in Kumasi ruhig angehen lassen. Wir schliefen also aus, duschten gemütlich und gingen auf die Straße, um dort wiedereinmal Rührei in Brot zu essen. Während des Essens entdeckte uns allerdings jemand, der angeblich seine eigene Kunst verkaufte. Er legte gemalte Bilder neben uns aus und einer von uns kaufte sogar eins – erst später sollten wir herausfinden, dass es sicherlich ein dutzend solcher <> gab, da wir auf weitere stießen. Naja, die Bilder waren ja nicht hässlich. Danach genehmigten wir uns eine Kokosnuss auf der Straße, bevor wir aus dem Hotel auscheckten, um ein weitaus billigeres zu finden. Wir brauchten kein Hotel, in dem wir uns lange aufhalten würden, sondern einen Ort, an dem wir unsere Sachen abstellen könnten und irgend wann zurückkommen würden, um zu schlafen.
Nachdem dies geschafft war, machten wir uns auf dem Weg durch den Markt auf die andere Seite der Stadt zum Palast des Königs der Ashanti (das Ashantikönigreich umfasste damals fast ganz Ghana, ohne Küste, und Teile der Côte d’Ivoire und war aufgrund seiner reichen Goldvorkommen so mächtig gewesen), das wir besichtigten. Auf dem Hof seiner Majestät liefen eine ganze Menge Strauße herum, so viele, dass man denken müsste <>. Erstaunlicherweise, liefen nur die schönen Männchen herum, sodass man nicht von artgerechter Tierhaltung hätte sprechen können. Nach dieser verwirrenden Beobachtung, wurde uns ein Film über die Geschichte des Ashantikönigreiches vorgespielt, bevor wir dann in den ehemaligen Palast geführt wurden, der von den Briten für den König als Entschuldigung für die Morde an den Ashanti gebaut worden ist. Im palast waren alte Telefone, Mobiliar, Geschirr, Waffen, Bilder, Schmuck und sogar eine 60 Jahre alte Kühlruhe ausgestellt, die bis heute noch geht und von damaligen König benutzt worden waren.
Weiter ging es. Hinaus, Richtung Markt, wo wir wieder uneinig waren, was wir tun sollten. Auf jeden Fall wollten wir am Nachmittag um drei Uhr zum Fußballspiel im Stadion sein. Wir teilten uns wieder auf: Zwei von uns fuhren vor zum Stadion und Sabrina und ich bummelten lieber noch auf dem riesigen Markt, von dem wir nur erst sehr wenig gesehen hatten.
Im Stadion gehörten wir zu den wenigen Weißen und verfolgten das Spiel zwischen der Heimmannschaft Kumasis <> und irgendeiner aufstrebenden Mannschaft aus dem Norden, die sich Chelsea nannte. Es war ein mehr oder weniger langweiliges Spiel mit vielen Fouls, Schwalben und wenigen Torchancen. Die Heimmannschaft ging relativ schnell mit eins zu null in Führung, es war aber noch in der ersten Halbzeit, dass die Gegner ausglichen. In der zweiten Halbzeit, in der der Schiedsrichter von ultra-nachsichtig zu überempfindlich, als ob er versuchen müsste seinen Überschuss in Nachsicht mit zusätzlichen Pfiffen auszugleichen, schossen die Asante das entscheidende Tor durch einen Elfmeter und gewannen schließlich 2:1, was die in rot gekleideten Fans sehr erfreute.
Nachdem wir abends aus dem Stadion gingen, wollten wir nach der Tro-Tro-Station suchen, an der wir am folgenden Tag ein Fahrzeug in den Norden zu einem Reservat finden mussten, in dem es Affen gab. Da wir bedauerlicherweise aber keine Station gefunden hatten, da Ostersonntag war, ging es für uns zurück zum Hotel. Auf dem Weg dahin verköstigten wir uns mit Essen von der Straße: Ich aß für Ghana typisches Fried-Rice mit Hähnchen und Salat und wir gingen früh zu Bett, da wir sehr früh aufstehen wollten.
Tag 5 (25.04.2011)
Wir sind heute furchtbar früh aufgestanden. Um buchstäblich vier Uhr klingelte unser Kollektivwecker und wir befanden uns noch in den schönsten Träumen, als wir unsere faulen Körper aus den Betten zu der Busstation bringen mussten, die für Reisen gen Norden spezialisiert war. Wir duschten, stopften unsere Sachen in die Rucksäcke und verließen das Hotel mit Schlaf in den Augen. Es war einfach noch zu früh, aber wir waren hier ja nicht hingekommen, um zu entspannen, sondern um viel zu sehen und erleben.
Nach den Taxifahrt zur Station sehen wir uns einer immensen Schlange und einem riesigen Chaos aus großen Bussen und verzweifelt drängelnden, mit schreienden Kleinkindern beladenen Müttern mit Gepäck auf dem Kopf und Busangestellten, die wenn sie nicht wie gewöhnlich fehlten, einen vollkommen gelassenen und routinierten Eindruck versprühten, der im Kontrast zum Chaos stand, gegenüber. Zwei von uns stellten sich also an und die anderen zwei passten aufs Gepäck auf. Die Schlange avancierte anfangs auch sogar ganz gemächlich und wir hatten uns in einer Stunde circa fünf Meter der Kasse genähert und bedurften lediglich nur drei Meter, um Tickets zu ergattern, als es so schien, dass der Verkauf eingestellt wurde, und der Bus voll war. Wir standen also da und hofften auf die Erlösung, die schließlich nicht eintrat und uns enttäuschte: Wir beschlossen nicht mehr in der Mole Nationalpark im Norden zu fahren, sondern bloß den Affen in einem <> einen Besuch abzustatten. Die Zeit wäre sonst viel zu knapp gewesen und wir hätten nur noch Zeit mit Reisen verbracht, was wir sowieso schon tun würden.
Wir mussten dafür aber wieder zu einer anderen Station fahren und haben dort unseren Riesenreisebus gefunden, der uns erst mal in die Kleinstadt TECHIMAN würde, wo wir ein Taxi nahmen, um weiter in ein Dorf in der Umgebung des <> fuhren, um dort wiederum ein Sammeltaxi zu dem Affen nahmen. Nach einer überraschend langen und unangenehmen Fahrt kamen wir endlich in einem kleinen, idyllischen und scheinbar abgeschotteten ghanaischen Dorf an.
Wir wurden zum Haus des Reiseführers geführt, das, welch eine Überraschung, auch eine Bar, einen Souvenirshop und ein Paar Gästezimmer einschloss. Wir gingen also hinein und wurden vom Leiter begrüßt, sein Bruder, der Souvenirshophalter, war gerade dabei Affen aus Holz zu schnitzen und diese kleinen Skulpturen mit schwarzer Farbe zu übermalen. Wir stellten unser Gepäck also ab und begaben uns auf die Führung. Zunächst ermutigte uns der Leiter aber dazu noch ein Paar Bananen für die Affen zu kaufen, was wir dann auch im kleinen Hof einer sehr alten Dame taten, die uns ein <> und ein Paar Erdnüsse für 2 C verkaufte.
Auf ging’s in den Wald, der recht gut instandgehalten wurde, da es strengstens verboten war, dort auch nur einen lebenden Ast abzubrechen. Nach nur drei Minuten Lauf durch den Wald auf Touristenpfaden entdeckten wir die erste der zwei Affenrassen des Waldes: Aus circa 20 Metern Entfernung beobachteten uns ungefähr ein Meter große, überwiegend schwarze, mit einer Mähne aus weißem, einer <> aus schwarzem Fell und einem langen weißen Schwanz, und mit einem Blick, der Misstrauen und Neugierde vereinte, Affen, die es weniger auf unsere Bananen, sondern vielmehr auf ihre Sicherheit abgesehen hatten. Sie aßen nämlich keine Früchte, sondern verzehrten ausschließlich Blätter. Wir blieben einen Moment bei ihnen Stehen und kreuzten ihre Blicke mit den unsrigen und warteten auf eine spektakuläre Veränderung des <>, auf die wir hätten lange warten können.
Wir verfolgten also weiter den Pfad und stießen nach weiteren zwei Minuten auf die deutlich aktiveren, weniger scheuen und vertraulicheren, oder auch nur dauerhungrigen, <>, die plötzlich aus dem Dickicht auftauchten und sich vor uns stellten, so als hätten wir ihnen Tribut zu zollen, bevor wir passieren durften. Jeder hatte eine Banane und wir versuchten sie vorsichtig zu füttern. Sie kamen uns sehr nahe, nur um diese Bananenstücke zu kriegen, und es schien so, als wären sie mit dem Menschen mehr als vertraut, als wir sie jedoch versuchten zu streicheln, flohen sie und tasteten sich nur langsam wieder an uns heran. Besodners sollten wir auf die Bananen aufpassen, die wir nicht gerade benutzten, da diese sonst leichte Beute für die Affen sein würden. Schlussendlich passierte es dann auch: In einem Moment der Unaufmerksamkeit kam Sabrina, der Hüterin unserer Bananen, ein Affe zu nahe und stahl sie.
Außer Affen, sahen wir Bäumen, teils so riesig, teils so unglaublich komplex oder einfach nur verwirrend, welche wir zuvor noch nie zu Gesicht bekommen haben. Am Ende unserer Tour wurden wir noch zum <> geführt, auf dem alle gefundenen Affen nach einer Tradition wie Menschen gestattet werden. Sogar Grabsteine wurden den Gräbern hinzugefügt, sodass ein echtes Friedhofsgefühl aufkommt.
Zurück ging’s zum Ausgangspunkt und wir mussten realisieren, dass wir nicht so schnell wie geplant wegkommen könnten, da es dort keine Taxistation gäbe. Wir waren also gezwungen zu warten und anscheinend ist es das, worauf die Bar und der Souvenirshop aufbauen. Endlich konnten wir uns ein Taxi ausborgen, mit dem drei Holländerinnen hergekommen waren, um wegzukommen, mussten allerdings die Rückfahrt auch bezahlen, damit der Fahrer sie wieder abholen konnte.
Wir fuhren zu diesem Dorf, dessen Namen wir nicht kannten, und nahmen dort ein Tro-Tro Richtung Kumasi. Unser Plan war es, an diesem Tag ganz in den Süden zu kommen. Mit Verspätung kamen wir in Kumasi erst um fünf Uhr Abends und bevor wir endlich zur nächsten Station kamen, war es schon sieben. Dunkelheit war eingebrochen, und niemand wollte so recht Nachts reisen, aber irgendwie wollten wir auch weniger dort bleiben. Wir kauften uns also Tickets und stiegen in den sehr bequemen und modernen Van ein und es ging auch schon wieder weiter. Die Fahrt war überraschend gut, aufgrund der freien Straßen schnell und entspannt, da man das sich draußen manifestierende Gewitter nicht wirklich bemerkte.
Gegen elf Uhr kamen wir dann auch an und suchten uns ein Taxi, das uns in der Küstenstadt zu unserem Hotel brachte.
Tag 6 (26.04.2011)
Cape Coast ist vielleicht die berühmteste Küstenstadt der <>. Berüchtigt war sie vor allem für ihren Sklavenhandel. Das Cape Coast Castle, das wir an diesem Morgen besichtigten gab einen beeindruckenden Eindruck und ließ jeden Besucher beim Anblick der Zellen der Sklaven verstummen. Ein großes, weiß-scheinendes Schloss mit blauen Fensterflügeln und makelloser Fassade empfing seine Besucher zu einem freundlichen Besuch unter wolkenlosem Himmel.
Wir wurden in einer Gruppe, die größtenteils aus ausländischen Touristen bestand, von einer Reiseführerin herumgeführt. Der erste Halt er Führung war der große und wunderschöne Hof des Schlosses, wo sie uns über die Entstehung des Schlosses und den Nutzen berichtete. Als Nächstes brachte sie uns zum Teil des Schlosses, für das es maßgeblich gebaut worden war: Im <> wurden unter der Erde, d.h. mit kaum Licht, alle männlichen Sklaven circa sechs Wochen auf allerengsten Raum gehalten wurden – nicht einmal Tiere würde man so halten. 1000 Männer, auf einem Raum, der kein achtel eines Fußballfeldes einnimmt, wurden so über sechs Wochen bis vor ihrem Abtransport in die Neue Welt, nach Amerika, Brasilien oder die Karibik gelagert. Ein letztes Mal wurde ihnen eine Dusche vor ihrer Einweisung gegönnt, bevor sie dann auf das Schiff warten mussten, das sie aus ihrer Familie und ihrer Heimat herausriss und ein komplett neues Leben aufzwang. Innerhalb der sechs Wochen zeigte sich, wer stark genug war zu überleben. Viele verreckten in den stickigen, aufgrund des schlecht abfließenden Kots und Urins bestialisch stinkenden Räumen zwischen ihren Kameraden wegen Mangelernährung und Krankheiten.
Später wurde uns auch der <> gezeigt, der circa nur ein Drittel der Größe des <> hatte, und für 300 Frauen gedacht war. Eine grässliche Vorstellung, wie Menschen dort überlebt haben. Hier hatten die Sklavinnen wenigstens ein wenig Tageslicht, da sie nicht unter der Erde gehalten wurden.
Unmittelbar neben dem <> gibt es ein Ausgangstor zum Meer. <> diente dazu, die Sklaven auf sicherem Wege aus dem Schloss und auf die Schiffe zu verladen. Ein schreckliches Szenario, das man sich bei unserer Führung sich nicht im Geringsten hätte vorstellen können, da der Strand, auf dem damals die Verladung stattfand, heute von einheimischen Kindern und Fischern mit ihren bunten Fischerbooten genutzt wird.
Zusätzlich verfügte das von Portugiesen gebaute, aber von Briten zum Sklavenhandel missbrauchte Schloss über einen wirksamen Abwehrmechanismus mit dutzende Kanonen.
Am Abend fuhren wir mit dem Taxi in das circa 8Km entfernte EL MINA, wo es ebenfalls ein Sklavenschloss gibt, das historisch genauso bedeutend und genauso gut instandgehalten worden ist. Zwei von uns nahmen an der Tour teil, ich hatte aber keine Lust darauf, auf einem festgesetzten Weg durch das Schloss zu laufen, da sicherlich die gleichen Inhalte, wie im CapeCoast-Castle genannt werden würden.
Am Ende meiner Tour setzte ich mich in den Innenhof des Schlosses und wartete auf die anderen, als plötzlich eine scheinbar reiche Britin, die afrikanische Vorfahren hatte und anscheinend auf der Entdeckung ihrer Wurzeln war, von der Seite kam, und anfing in die Luft gegen Weiße zu schimpfen. Zunächst schien es so als würde sie lediglich über die schrecklichen Taten der Kolonialherrscher lamentieren würde, ihre Rede artete dann aber in hasserfüllte Vorwürfe gegen jeden Weißen auf diesem Planeten aus, die sich immer weiter steigerten: Sie wollte mich herausfordern, sie wollte mich wegjagen: Ich ließ mich darauf nicht ein und verließ ihre Umgebung, dass ich sie nicht mehr hören musste. Sie sprach davon wie grausam wir (ALLE Weißen) zu ihren <> gewesen waren und wie schrecklich Schwarze früher unter uns zu leiden hatten. Sie übertrug dies später auf die heutige Situation und jammerte darüber, dass ihre Sohn heute immer noch unter der Unterdrückung durch die Weißen zu leiden habe, aber dass die Rache der Schwarzen bald kommen würde, und dass sie dann unbarmherzig und unerbittlich gegen uns Weiße genauso vorgehen würden, wie wir es ja gegen sie getan hatten. Keinem Weißen solle es erlaubt sein an solche Stätten zu kommen.
Man kann ja durchaus verstehen, dass solche Personen einen gewissen Unmut in sich entwickeln, wenn sie wissen, wie ihre Vorfahren von anderen Völkern behandelt wurden. Jedoch ist die heutige Realität mit der damaligen nicht vergleichbar. Sklavenhandel ist keine Frage von Rasse. Es ist eine Frage von Macht, die die Europäer vor den Afrikanern gewonnen hatten. Die Tatsache, dass Schwarze damals noch nicht so hoch entwickelt waren und dass sie anders aussahen wurde als praktischer Vorwand dazu missbraucht, um Sklavenhandel zu rechtfertigen. Wahrscheinlich wurde diese Frau so großgezogen, dass sie Weiße nie besonders kennengelernt hat und sie deshalb verkennt.
In jedem Fall verließ sie dann ganz mutig und entschlossen mit den Worten <> das Schloss und fuhr allein in einem Taxi weg, um zu vermeiden, dass sie es sich mit Weißen hätte teilen müssen. Wir hatten auf dem Rückweg nach Cape Coast eine lustige Zeit, als wir über sie lachten und gingen später am Abend in einem Restaurant vis-à-vis dem Schloss essen gingen.
Tag 7 (27.04.2011)
Die Côte d’Ivoire war zurzeit im Bürgerkrieg, doch dies hielt uns trotzdem nicht davon ab, uns ihr zu nähern. Heute ging es Richtung Westen, bis fast an die Grenze des Westafrikanischen Landes, das gerade vollkommen in politischem <> begriffen war.
Morgens begaben wir uns aber erst mal zu einem Restaurant, das zu Deutsch <>, also <> hieß und frühstückten dort. Dort arbeiteten zwei weltwaerts-Freiwillige (genau wie wir) in einem Projekt, das Schulbildung und Instandhaltung eines Restaurants verbindet. Jedoch haben wir mitbekommen, dass die Schule anscheinend abgebrannt war, und dass die beiden nur noch im Restaurant arbeiteten. Als wir morgens ankamen, sahen wir einen Freiwilligen am arbeiten, den anderen sahen wir an einem Tisch sitzen, Zeitung lesen, Pfannkuchen essen und Smoothies schlürfen. Ein wirklich unvergleichbarer Freiwilligendienst im Vergleich zu unseren Verhältnissen in Togo. <> flüsterten wir uns insgeheim neidisch zu. Nachdem wir die sehr leckeren Pfannkuchen und Smoothies verspeist hatten, ließen wir unser Gepäck im Restaurant und begaben uns auf eine kurze Besichtigung eines Leuchtturms, unweit des Restaurants und des Schlosses, auf dem wir eine hervorragende Aussicht auf die Stadt hatten.
Wir zogen schließlich nach kurzer Zeit weiter und nahmen das Taxi durch das sehr belebte Zentrum zur Tro-Tro-Staion. Weiter führte uns unsere Reise nach Takoradi, wo wir ein weiteres Tro-Tro gen Westen nahmen. Stunden vergingen bevor wir endlich irgendwann am Nachmittag vor dem Nationalpark ANKASA ganz im Südwesten Ghanas ankamen. Ein Regenwaldgebiet, in dem es angeblich von Leben nur so wimmeln soll: Alle möglichen Pflanzenarten, Affen, Elefanten, Geparden, hunderte Vogel und Schmetterlingsarten und und und sollen dort vertreten sein.
Doch zuvor musste erst mal eine Nacht verbracht werden. Ein ursprünglicher Ivorer, ehemaliger Filmemacher mit Disney und bekannter Fotograf hatte sich circa einen Kilometer vom Parkeingang niedergelassen und bietet bequeme Zimmer in einer idyllischen, abgeschotteten Umgebung zu moderaten Preisen an. Wir blieben dort und bekamen von ihm nach dem Abendessen seine sehr interessante und ereignisreiche Biographie, gespickt mit Fotobüchern, vorgetragen. Ein sehr interessanter Mann, der sich in eine schöne Umgebung zurückgezogen hat und sich dort ein kleines, stabiles Unternehmen aufgebaut hatte.
Zwei von uns schliefen im Zimmer. Ich und ein anderer schliefen im Zelt, da es keine weiteren Zimmer mehr gab, aber das war auch gut.
Tag 8 (28.04.2011)
Wieder einmal klingelte der Wecker viel zu früh. Wir hatten uns für sieben mit dem Ranger verabredet und mussten entsprechend früh raus.
Beim Eingang angekommen betraten wir direkt den Urwald, dessen Bäume so viel höher waren und um die raren Sonnenstrahlen kämpften, indem sie in schwindelerregende Höhen schossen.
Wir betraten den eigentlichen Wald unweit des Eingangs mit dem Ranger. Er führte uns auf einem Touristenpfad und zeigte uns verschiedene Bäume und erklärte, warum diese auf ihre Art und Weise wuchsen. Je länger wir umherwanderte, desto weniger sprach er und es schien, als wäre er nicht im Geringsten daran interessiert, Tiere zu finden, die es in diesem Teil des Waldes sowieso nicht hätte geben können. Uns wurde immer klarer, dass wir uns auch Affen oder größere Tiere hätten abschminken können. Es endete darin, dass wir eine sehr langwierige und langweilige Führung durch den Wald hatten, der tatsächlich sehr undankbar für Besucher war. Die größten Tiere, die wir sahen waren Libellen. Immerhin können wir jetzt sagen, dass wir in einem Regenwald gewesen sind, wenn dieser auch sehr unspektakulär war.
Gegen Mittag verließen wir Ankasa und fuhren mit dem Tro-Tro in eine kleine Küstenstadt vor Takoradi, die bekannt für ihren Strand war. Dort traf ich meine Nachbarin Miriam aus Deutschland, die in Ghana einen weltwaerts-Freiwilligendienst in einem Waisenheim für Kinder in einem muslimischen Dorf bei Accra machte. Wir blieben dort für eine Nacht zusammen in einem Strandhotel, das Bungalows für vier Personen für 50C (~25€) anbot und passenderweise <> hieß. Hängematten, Strandbar und ein atemberaubend schöner Ausblick auf den <> waren die Belohnung für unsere lange Reise. Wir verbrachten den Nachmittag und den Abend damit, zu spazieren, schwimmen und in Hängematten zu liegen. Nach den ganzen Strapazen hatten wir uns das verdient. Und ich wäre am liebsten noch länger dort geblieben.
Tag 9 (29.04.2011)
Am Morgen des neunten Tages war die Aufbruchstimmung wieder da. Wir wollten doch noch einmal in die Hauptstadt, um dort ein Paar touristische Aktivitäten zu tun.
Gegen Mittag nahmen wir das Taxi nach Takoradi, von wo wir weiter nach ACCRA fuhren, das wir erst am späten Nachmittag erreichten.
Wir versuchten, so schnell wie möglich das Hotel zu erreichen. Nachdem wir unser Gepäck in einem Hotelzimmer abgestellt hatten, in dem der Teppich stank, weil es am Abend zuvor hinein geregnet hatte und das eigentlich nur für zwei Personen ausgerichtet war, aber an sowas hatten wir uns ja gewöhnt, um günstiger davonzukommen.
Unser Ziel für diesen Abend war <>, die Accra-Mall, die etwas pures Europa versprach. In der bereits eingefallenen Dunkelheit fuhren wir mit dem Taxi dort hin und wurden beim Betreten nicht enttäuscht. Kapitalismus in seiner schlimmsten Form. Reiche Ghanaer in teuren Roben shoppend zu sehen, wo wir gerade an den Elendsvierteln der Stadt vorbeigefahren waren, war etwas verwirrend und es war einem nicht sehr gut zumute, jedoch ließen die Waren die Außenwelt leicht vergessen. Wir waren wieder in Europa: Riesensupermärkte, Bekleidungsgeschäfte, High-Techläden und eine Menge verschiedener Restaurants ließen den Atem wegbleiben. In einem Internetcafé mitten im surften wir zum ersten mal seit Deutschland billig und mit einer Spitzengeschwindigkeit.
Wir begaben uns ins Restaurant und verfolgten dort auf Bildschirmen die Hochzeit zwischen William und Kate, die in den Rahmen der Verschwendung gut hineinpasste. Am Ende schlossen fast alle Läden, und wir entschieden ins Kino der Mall zu gehen und uns einen neuen US-Film anzusehen, dessen Inhalt ich bereits fast vergessen habe, weil er nicht besonders interessant war, Jennifer Aniston spielte mit, das weiß ich noch.
Gegen halb elf Uhr Abends ging es dann auch zurück ins Hotel, denn wir würden morgen wieder früh aufstehen müssen.
Tag 10 (30.04.2011)
Dieser Tag war der letzte in Ghana. Wir wollten heute nochmal die im Reiseführer empfohlenen Punkte abarbeiten: Als erstes ging es zum <>, einem Triumphbogen, der die Unabhängigkeit Ghanas symbolisiert. <> ist die Devise des aus der britischen Kolonie hervorgehenden Staates. Neben diesem Bogen präsentiert sich eine immense, symmetrische Freiluftarena vermutlich für Nationale Veranstaltungen, die auf ihrem Platz eine Feuerschüssel enthält. Bei unserer Ankunft präsentiere sich der <> sehr verlassen. Keine andere Person außer uns befand sich auf dem riesigen Gelände – außer einer halb schlafenden und sichtlich gelangweilten Wache waren wir allein.
Nach kurzer Zeit verließen wir den Platz beinahe genauso gelangweilt und fuhren wieder in den Stadtteil <>, wo wir uns in einem <>-Shop und im <> umsahen und feststellen mussten, wie teuer die Welt sein kann.
Auf dem Rückweg zum Hotel bummelten wir noch etwas auf dem <> umher, bevor wir dann unsere Sachen holten und zurück nach Togo wollten.
Mit dem Tro-Tro ging es an der Küste, zwischen Wassermelonenfeldern zur südlichen Grenze. Als wir ankamen, war es auf der ghanaischen Seite völlig düster geworden: Stromausfall. Im Hintergrund sahen wir allerdings ein scheinbar göttliches Licht, das uns in unsere <> führte: Lomé hatte Strom und erstrahlte in seiner ganzen nächtlichen Pracht. Wir waren sehr froh, wieder zu Hause zu sein, nicht dass wir es bereut hätten, aber Togo war unser Zuhause geworden.
Schule aus.
Mai 24th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Stifte werden ein letztes Mal nachgefüllt, der Stoff des Jahres gebüffelt und Schulbänke noch einmal besessen, denn bald ist man ja frei…
Nach nun acht Monaten Schulprojekt neigt sich das Schuljahr, und damit auch meine (unsere) Arbeit an den Schulen, dem sicheren Ende zu. Der Mai, ein Monat voller Prüfungen und Befreiungen vom Unterricht, hat nur noch sehr wenig Möglichkeit zum arbeiten gegeben. Die 1ere (12.Klasse) schreibt das Abitur I, das Collège (7.-9. Klasse) bereitet sich für die nächste Woche Composition vor und die 3eme (10.Klasse) wird sich am Ende des Monats dem BEPC (~Zentrale Abschlussprüfung nach der 10. Klasse) stellen müssen, sodass für uns Freiwillige kaum noch was zu tun ist und sich das Jahr ohne feste Termine dem Ende zuneigt.
Auf meine Arbeit im Projekt zurückblickend, nehme ich viele Erfahrungen mit nach Hause, bin aber trotzdem nicht zufrieden damit, wie das Jahr abgelaufen ist, und wie sich das auf meine Arbeit ausgewirkt hat. Schauen wir doch mal zurück:
Es war an einem Dienstagmorgen Anfang Oktober als wir vom Proviseur des Lycée Avetonou in seinem <> empfangen wurden. Die einzige feste Aufgabe, die wir von ihm vorgeschrieben bekommen haben war es, den Deutschclub zu leiten und einem der Lehrer zu folgen. Anfangs ging der Deutschclub ganz gut. Die Teilnehmer aus dem Vorjahr nahmen mehr oder weniger zahlreich teil und auch neue kamen hinzu. Die Brieffreundschaft mit der deutschen Schule wollten wir aufrechterhalten doch schafften es nicht schnell die Briefe abzuschicken und warten bis heute auf die Antworten. Im neuen Jahr wurde Lara von mir abgelöst, da sie das Dorf verließ und ich übernahm eine mittelgroße Gruppe, deren Teilnehmer unregelmäßig zu den treffen kamen, sich sehr oft verspäteten und immer öfters von den Treffen wegblieben. Oft ließen Ausfälle aufgrund von Fußballspielen oder anderen Veranstaltungen den Deutschclub und damit auch alle anderen Treffen am Mittwochnachmittag ausfallen und damit in Vergessenheit geraten. Wir versuchten die Schüler dazu zu ermutigen zu versuchen, öfters zu den Treffen zu kommen, doch das Interesse blieb aus und übrig blieb eine Gruppe aus besseren Schülern und solchen, die gerade Deutsch angefangen hatten, und, so hatte ich den Eindruck, sich eher unterhalten lassen wollten. Wenn wir mal zusammen kamen versuchte ich mit ihnen Deutschland über Lieder, Karten, Spiele oder Filme zu entdecken, aber sie vor allem zum Sprechen zu bringen, was nur wenige wirklich versuchten umzusetzen. So hatte der Deutschclub ein offenes Ende. Nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Teilnehmer, die am Anfang des Jahres noch regelmäßig kamen, aber immer seltener kamen, fühlten sich schlussendlich auch nicht mehr als eigentliche Teilnehmer, als wir sie zu einer Besprechung zusammenriefen.
In meiner sonstigen Arbeit verlief es ähnlich. Da uns gesagt wurde mit den Lehrern mitzugehen und da der Proviseur nicht wollte, dass wir die Lehrer ersetzen, gingen wir meistens nur mit ihnen von Klasse zu Klasse und saßen im Unterricht, ohne wirklich gebraucht zu werden, weil die Lehrer selbst ihre Sache gut machten. Abgesehen von einigen Korrekturen, Aufsichten oder den wenigen Stunden, in denen wir für sie einsprangen, blieb mit nur zu versuchen, zusätzlichen Unterricht in den Freistunden zu geben, was mit der Zeit immer mehr von den Schülern abgelehnt wurde, vor allem, je mehr sich das Jahr dem Ende zuneigte, sodass ich immer unzufriedener mit der Arbeit im Projekt wurde. Ich beschloss Anfang Februar, als meine Arbeit immer weniger von mir erforderte, eine Abitur-II-Lerngruppe-Deutsch ins Leben zu rufen, die sich jede Woche treffen würde. Ich nahm mir also einen freien Tag zu einer schülerfreundlichen Tageszeit und hatte vor, motivierte Schüler aus der Termiale (13. Klasse) und den besten Schülern aus der 1ere auf das Abitur vorzubereiten. Die ersten zwei Treffen liefen glatt ab und sie kamen auch zahlreich, beim zweiten und dritten mal war dann plötzlich niemand mehr gekommen und ich fragte mich, was ich da noch machen sollte. Ich kündete also den Schülern an, dass sie sich zusammentun sollen und wenn sie das getan haben, sie auf mich zugehen sollten, damit wir uns schul-extren treffen könnten. Leider habe ich bis jetzt keinen Schüler gehabt, der auf mich zugekommen ist.
Mit Enttäuschung und einem unbefriedigendem Gefühl verlasse ich die Schule, von der ich mir mehr erwartet hatte. Viele neue Gesichter habe ich kennengelernt, viel erfahren und sehr viel gelernt, was hoffentlich beidseitig Spuren zurückgelassen hat. Denn darum geht es bei weltwaerts: Beidseitiges lernen vom Anderen, um in Zukunft besser miteinander leben zu können.









































































































































